Wir haben sie lange nicht gesehen, ja. Ein Raunen geht durch den Raum. Aber sie ist nicht verschwunden. Sie wird immer wiederkehren, unsere Kunie.

Und los:

Wir sehen ein Knäuel von grünen Tannennadeln, roten und goldenen Kugeln, Weidenkränzen, Filzmännchen, Weihnachtsmännern, Schokolade, Adventskranzteilen, Kerzen und Geschenkband. Ab und zu sehen wir einen Körperteil in diesem riesigen Knäuel aus Weihnachtsdekoration. Es raschelt und knistert und knackt. Ab und zu hört man ein: Miuuuu. uu uuu. Und das Knäuel wuselt weiter unaufhaltsam durch das 3. OG VH. Ja, wir sind bei Kunie zu Besuch!

Es riecht überall nach Schokolade, das könnte nicht zuletzt von den vielen Flecken auf dem Sofa kommen, oder den Schokostückchen, die überall auf dem Boden verteilt sind.

Es bildet sich nach und nach ein Weihnachtsdeko-Wirbelsturm. Im Auge steht unsere Kunie und hebt hexend ihre beiden Arme. Sie jongliert den Haufen geschickt durch die 80 qm Wohnung, bis aus einer kahlen und öden Winterlandschaft, ein glänzendes und schönes Weihnachtsschiff geworden ist. Schließlich soll ja der Weihnachtsmann hier halten und nicht genervt weiterziehen und sagen: Früher war alles besser!

Glitzer im Haar, auf der Nase und den Händen, zerrupften Haares und Geschenkband umwickelter Knöchel, steht Kunie in ihrem Werk und breitet über ihrem Sommersprossengesicht ein breites Grinsen, das sogar den Schein der Kerzen überstrahlt und sagt:

So, und nächste Woche kommt der Baum!

Sie stopf sich einen dicken und tiefschwarzen Schokobollen in den Glitzermund und läßt sich in das Schokofleckensofa fallen.

Schalten sie auch Morgen wieder ein, wenn es heißt: Wir haben Heinzelmänner Herr M. !!! Sie sind zurück, ich schwöre!!! Ich hab sie gehört und jetzt ist meine Mütze plötzlich wieder aufgetaucht.

Wir wußten es schon lange, Kunie hat Kontakt zu Außerirdischen und spezielle, magische Kräfte.

Wir sehen Kunie E. durch einen Gang flitzen. Hecktische Haare fliegen hinter ihr her. Dumpfes Stapfen auf grauem Teppich. Sie hat eine riesen Tasche umgehängt. Sie ist so überdimensional groß und schwarz, als wäre sie ein Zauberkasten-Wundertüten-doppelter-Boden-Ich-zaubere-Menschen-daraus-hervor Utensil. In Wirklichkeit nur ein Lackterror-Modetick vom H&M. Das weiß aber keiner. Wir sehen sie also über grauen Teppich flitzen und eine Tür mit Schwung aufreißen. Eine schwere Tür mit Schutzglas-Schlitz. Achtung!!! Zungenbrecher. Sie betritt einen großen Büroraum und steuert auf den Fensterplatz, dritte Reihe links zu. Sie biegt also ab und donnert ihre Sachen auf die voll in Beschlag genommene Fensterbank. Darauf stehen zich Pflanzen, mal verkrüppelt, mal blühend. Zich Papierstapel und jetzt in diesem Moment auch zich Jackengedöns mit Riesentasche. Wir sehen wie sie sich setzt. Ein schwarzer Bürostuhl mit weißen Punkten drauf. Dann! Sie streckt ihren kleinen Wurstfinger aus und drückt auf einen schwarzen Kasten mit Aufschrift “PC131″. Und genau in diesem Moment macht es einen dicken Zisch und alle umstehenden Computerbildschirme werden mit einem Schlage schwarz. Stille…

Dann hören wir: “Stromausfall!”.

Dann Kunies Stimme: “Aber ich hab doch nur den Knopf gedrückt!”.

Die Stimme eines Kollegen: “Du bist echt the next Uri Geller, nicht zu fassen, typisch!”

Wir nehmen an, auf Grund ihrer sonderbaren, magischen Kräfte ist Kunie aka The next Uri(n) Keller die neue Außerirdischen Korrespondentin. Schicken wir ihr also heute mal Grüße an die Welt da draußen zwischen den Sternen und den Sonnenwinden, sie wird sie mitnehmen und für uns übermitteln.

Schalten sie auch morgen wieder ein, wenn es heißt: HEX HEX, mein Finger macht Stromausfall!

Wir verzichten heute auf Werbung, wir haben schon genug Geld (das war eine Lüge, die aber auch irgendwie schön klingt!)

Wir sehen ein dickes Grinsen,

einen zappelnden Fuß. Hören ein Klopfgeräusch im schnellen 4/4tel Takt dazu. Ein Nicken von rechts nach links. Sieht bisschen aus wie Teletubbialarm. Dicke Kopfhörer verstärken noch den “Louis de Funès und die außerirdischen Kohlköpfe-Look”. (Vielleicht ist ja der Teletubbi der in Rente gegangene Außerirdische aus dem Film?) Wir hören ein Lied, klingt nach Spaß, wir vermuten mal es handelt sich um “Frankmusik – 3 little words”. Wir können also ein Elektropop Spaßlied hören. Unsere Teletubbikunie ist wohl heute guter Laune. Wir sehen ein bestätigendes Nicken von ihr. Na, vielleicht war das auch der Musik aus den Kopfhörern geschuldet. Sie ist zumindes wieder fröhlich, wir haben ja fleißig kommentiert.

Szenenwechsel

Wir sehen einen Konferenzraum mit lauter kaputten und ausrangierten Bürostühlen, einem viel zu großen Tisch, der den Raum noch enger macht, als er sowieso schon ist. Ein Beamer wirft garstiges Beamerlicht an eine Wand vor uns. Darauf lauter Listen und Dokumente. Zwei Personen sitzen lamentierend davor. Eine davon ist unsere Kunie. Sie sagt: “Ach, mir ist doch die Präsentation da Morgen voll Wurst.” Ihr Auge zuckt leicht, sie scheint ein wenig zu lügen. “Ich mach das einfach zack zack und dann ist gut Mann, nich son Stress jetzt.” Kein Zucken mehr…..Komisch. Das war scheinbar nicht gelogen. (Zu Verstehen gibts da jetzt nicht viel, einfach hinnehmen. Eine besondere Logik, wie schon mehrmals angedeutet, ist da nicht zu erkennen.)

Zwischenspiel

Es gibt da neuerdings so eine alte neue Gameshow, wo Menschen an einem Lügendetektor hängen und Fragen gestellt bekommen. Für jede wahre Antwort gibt es Geld. Würden wir Kunie dorthin schicken, wüßte sie zunächst natürlich niemals, was denn nun die wahre Antwort wäre, denn es gibt ja tausend Zwischenfragen und Eventualitäten in ihrem Gehirn (Jede Frage und Antwort ist schließlich relativ), dass es zwangsweise zu einem Absturz der Lügendetektormaschine käme. Oder aber permanent eine Lüge angezeigt würde, obwohl warscheinlich nicht einmal gelogen wurde. Oder aber noch schlimmer, es würde immer Wahrheit angezeigt werden, weil Kunie mal wieder die Frage nicht richtig verstanden hat.

Frage: Hatten sie schon einen Dreier?

Denken: was genau ist ein Dreier? Drei Pfannkuchen am 11.11. essen?

Sagen: kann mich nicht erinnern. (ganz schlechte Antwort)

Frage: Haben sie schon geklaut?

Denken: Mal aus Versehen ein Glas aus dem Ikea-Imbiss, weil es noch im Wagen stand. Habs gar nich gemerkt, dass es noch da war… Und jemand sagte mal “Du hast mir mein Herz gestohlen”.

Sagen: Ja! (noch schlechtere Antwort!)

(Wir schicken sie nicht hin!!)

Schalten sie auch Morgen ein, wenn es wieder mit Werbeunterbrechungen heißt: Sag mir die Wahrheit und “Oh mein Gott, die Präsentation war voll schlecht!”

Tag Acht – Bockig

November 10, 2008

Heute riecht es nach warmem Vanillepudding

Ein Duftstreifen zieht aus einer Wohnküche über einen laaangen Flur, in die zweite Tür links, hinein in ein großes Wohnzimmer und endet über einem weißen Teller mit warmem Pudding auf einer Couch, auf ein paar Beinen stehend. Die Beine gehören Kunie E., die hier wohnt und ein nicht zu übersehendes Bockgesicht zieht. Trotz Pudding – Trotzpudding. Wir hören ein kurzes Surren und sehen einen TV-Bildschirm auf dem ein DVD Menu angezeigt wird. Kunie auf der Couch hält eine Fernbedienung in der Hand und drückt auf den Knöpfen herum. Streckt den Arm aus. Schüttelt die Fernbedienung. Drückt wild und fest. Nichts tut sich. Sie steht auf und stellt den Teller auf den Boden. Geht zum DVD Spieler und drückt dort. Mit noch mehr Bockgesicht setzt sie sich wieder. Der Pudding wandert auf die Beine zurück.

Wir sehen einen Löffel in Großaufnahme, der in den Puddingteller taucht und zu Kunies Mund wandert. Ihr Gesicht entknittert sich im Nu. Doch dann erkennt sie die Kamera vor ihrem Gesicht und schaut hinein. Plötzlich und wie auf Knopfdruck kehrt das bockige Gesicht zurück. Das Bild fährt zurück.

Wir fragen uns, ob sie jetzt eventuell auf uns Zuschauer böse ist?

Wir sehen weiter das fleißige Löffeln der Kunie E. und ihren Bockblick nun auf den Bildschirm gerichtet. Wir ziehen uns erstmal zurück und wandern ein wenig in der Wohnung herum. Ein großes Schlafzimmer, ein kleines Arbeitszimmer und ein Lilienbadezimmer. Wir sehen das Bett, den alten Schrank und Holzböden. Niemand sonst hier? Wir sehen uns das Klingelschild an, auf dem nicht nur Enoki steht, sondern noch ein anderer Name. Oha!! Wir gehen wieder in den langen Flur und plötzlich steht tatsächlich jemand vor uns. Nein, nicht Kunie, es ist ein Mann. Er scheint recht erstaunt, dass wir dort sind und winkt nur kurz verlegen ins Bild, um gleich darauf ins dritte Zimmer rechts zu huschen (Arbeitszimmer).

Will niemand heut vor die Kamera? Langweilig hier …

Wir schauen noch ein letztes Mal im Wohnzimmer nach. Doch das Sofa ist jetzt leer. Der Pudding auch. Neben dem leeren Teller auf der Couch finden wir einen Zettel. Wir sehen diesen in Großaufnahme:

Ich will Kommentare, sonst bin ich weiter bockig!

- BLACK -

Schalten sie auch nächstes mal ein, wenn es wieder heißt:

Ich brauch Aufmerksamkeit

Keiner liebt mich

Ich bin fett

PS. Keine Angst, der Verwirrte ist nie lange sauer, weil er es schlicht vergisst, warum er nochmal sauer war.

Wer heute meint, er könne schon verstehen, wie ein verwirrter Mensch so denkt und lebt, der täuscht sich ja gewaltig.

Heute sehen und hören wir ausnahmsweise mal nichts. Heute melde ich mich mal zu Wort und zwar zum allgemeinen Thema Verwirrung. Und zwar um sicherzustellen, dass auch jeder, der diesen Blog liest, in vollem Umfang vorbereitet und informiert ist, was die Verwirrung ausmacht und welche Folgeerscheinungen sie mit sich bringt. Auch um sicherzustellen, dass niemand unserer Leser einen bleibenden Schaden durch die gesehenen Bilder erhält, werden jetzt aus Gründen der Aufklärung und damit Abschreckung einige schlimme und mysteriöse Wahrheiten enthüllt:

1. Der Verwirrte hat Kaffeeflecken auf der wohlgemerkt “frischen” Arbeitsunterlage, BEVOR er den Kaffee auf die Unterlage stellt.

2. Der Verwirrte verliert seine zweite Socke nicht in der Waschmaschine. Nein, es taucht plötzlich eine dritte Socke gleichen Typs auf. Mysteriöserweise auch noch die Pinke mit Giraffen drauf.

3. Der Verwirrte hört viel von dem, was die anderen gerade nicht hören.

4. Der Verwirrte sieht viel (zu viel) von dem, was die anderen gerade nicht, oder niemals sehen.

5. Der Verwirrte sagt immer “der” Verwirrte.

6. Der/Die Verwirrte versucht das böse generische Maskulinum beim nächsten Punkt zu vermeiden.

7. Der/Die Verwirrte versucht es allen recht zu machen, gerne auch mal sich selber, das dann aber unbedingt gleichzeitig.

8. Der Verwirrte mag das generische Maskulinum plötzlich und verwendet es weiter. Sein Wahlspruch ist: “Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern”, nicht zuletzt aus praktischen Gründen, da er sich generell nicht an das Gesagt von gestern erinnern kann.

9. Der Verwirrte vergisst alles.

10. Der Verwirrte hat Heinzelmänner, die alles vor ihm verstecken. In etwa 2 Stück in ständigem Einsatz. Impfungen sind bis heute nicht bekannt.

11. Der Verwirrte macht gern viel und gleichzeitig, aber nichts richtig.

12. Der Verwirrte kommuniziert mit Tieren besser als mit Menschen.

13. Der Vewirrte sieht Gespenster und Geister und hat auch noch Angst vor ihnen.

14. Der Verwirrte hat einen Saustall-Arbeitsplatz und ein aufgeräumtes Zuhause. Die Taschen wiederum sehen aus, wie der Arbeitsplatz, der Arbeitsplatz zu Hause sieht wiederum auch aus, wie der externe Arbeitsplatz. Das Gehirn des Verwirrten ist in etwa gleich geordnet, jedoch nach heutigem Erkenntnisstand ist auch das nicht in jedem Fall so.

15. Der Verwirrte meldet sich bei VHS Kursen wie “Zeitmanagement” an und schafft es nicht ein einziges mal hinzugehen.

….

Wir sind heute zu einer Selbstbeteiligung aufgerufen!

Bitte finden sie weitere Punkte, die ein Verwirrter hat und die ihn eindeutig auszeichnen. Diese Anschauung dient eindeutig der ABSCHRECKUNG. Bitte versuchen sie nicht das Geschriebene nachzuahmen. Halten sie ihre Kinder von diesen Zeilen fern und vor allem, bleiben sie bitte klar im Kopf.

Der/Die Autor(in)

Tag Sechs – Weiter gehts

November 3, 2008

Schwarz

Schwarzer Bildschirm. Alles schwarz. Schwarz schwarz. Kein Ton. Stille. Dann sehen wir einen kleinen weißen Punkt in der Mitte des Bildschirms. Wir sehen wie der Punkt größer wird. Hinter dem Punkt sehen wir hautfarbene Bewegungen. Einen Fingernagel. Einen knibbelnden Fingernagel. Dann hören wir ein lautes “RATSCH”. Ein Teil der Schwärze wird abgerissen, dahinter eine Person zu erkennen. Wieder ein Knibbeln und RATSCH, der Bildschirm wird immer freier gerissen. Wir erkennen nach und nach SIE. Kunie. Ein Rest Fetzen bleibt im linken unteren Bildschirm kleben. Der bleibt auch für den Rest des Tages dort hängen. Ein lila TShirt ist zu sehen “Naaaa ihrs!” ist in weiß darauf gedruckt. Wir zoomen zurück und sehen Kunie in diesem Tshirt winken und natürlich mit ihren leicht schiefen Zähnen grinsen.

Täglich grüßt das Mopstier

Wir sehen wieder einen Deckenturm und haben einen Liliengeruch in der Nase. Er wackelt, der Turm. Schnitt ins Badezimmer. Wieder verstörtes Dastehen. Schnitt. Wir sehen einen Hausflur. Schnitt. Wir sehen Kunie auf der Straße, es ist leicht grau, das Wetter. Asphalt und Schritte. Sie läuft. Sie ist nicht allein, neben ihr läuft eine weitere Person. Wir sahen sie bereits und vermuten eine freundschaftliche Verbindung der beiden. Wir sehen ein Straßenschild mit der Aufschrift “Wiener Str”, der Berliner weiß nun, dass es sich natürlich um Kreuzberg handelt, nicht der Wohnort, aber doch ein Wohlfühlort unserer Protagonistin. Da laufen die beiden also über die Straße und steuern ziemlich zielsicher auf ein ganz bestimmtes Ladenlokal zu. Eine Aufschrift erscheint “Spätzleexpress” . Davor sieht man ein paar Bierbänke mit Menschen darauf. Dann!!! Plötzlich, aus dem Nichts, aus der friedlichen Stille der leisen Schritte, hören wir eine laute Alarmsirene. Eine Art Hupen in regelmäßigen Abständen aufheulen. Ein riesen Ausrufezeichen erscheint im Wechsel mit einer Sirenenleuchte im Bild. Wir sehen Kunies Augen. Riesengroß. Klimpernde Lider. Ein verzückter Ausdruck zeichnet sich ab. Das Bild wechselt zu etwas anderem. Es sieht aus wie ein dicker Fellklumpen. Schon wieder ein Tier. Eine eingedrückte Schnarchnase und dazu ein Schweineringelschwanz, ein dicker Wanzt und knubbelige Kulleraugen. Fell dran, na klar. Ein Mops. Ja, wir sehen einen Mops. Wir hören ein lautes Quieken. Nein, nicht der Mops quiekt, sondern unsere Hauptdarstellerin, die mit ausgestrecktem Arm in Richtung fellbehangener Leberwurst rennt. Dann hören wir ihre Stimme: ” Oh nein, kann ich den mal anfassen?” Die Halterin, jetzt auch im Bild raunt ärgerlich durch die Sirenengeräusche: “Nein, der mag das nicht!”…

Stille

Keine Sirene mehr. Kein Quieken und keine großen Kunieaugen. Wir hören nur ein enttäuschtes “Hmpf” aus Frau E.s Mund purzeln. Dann sehen wir etwas sehr unerwartetes. Die Begleitung der Kunie schiebt sich ins Bild. Mit entschlossenem und verärgertem Gesicht sagt sie: “So ein Schwachsinn. Der maaag das niicht. Als würde den Hund das grad stören, wenn man den anfaßt. Was für ein Blödsinn. Den Hund stört sowas nicht, das ist jawohl der größte Scheiß, den ich jemals gehört habe!”. Dann die Antwort der Fellwurst-Halterin: ” Natürlich stört den das, sie haben ja keine Ahnung von Hunden!”. Und dann der finale Kreuzberger Satz der mutigen Begleiterin: “Hab ich mit dir geredet, oder was? Ich kann wohl sagen was ich will, oder hast du ein Problem?” Dann sehen wir, wie die Begleiterin und Freundin unsere Kunie am Ärmel reißt und sie die Straße herunter zerrt, plötzlich weiter weg vom Ladenlokal mit Leckeressen. Die Schritte nehmen wieder ihren gewöhnlichen Klackertakt an. Die Autos rauschen gewöhnlich weiter die Straße entlang. Lange wird nicht geredet und nur Gegrummelt. Wir sehen ein verwirrtes Kuniegesicht, welches die Ereignisse zu ordnen versucht, es aber nicht schafft.

(Der Verwirrte braucht für die Einschätzung einer Situation zumeist dreimal so lange wie ein gewöhnlicher Mensch. Darum, wie auch festzustellen war, stand die liebe Kunie auch während des Streitgespräches ausschließlich dumm an der Seiter herum)

Dann sehen wir endlich eine deutbare Regung Kunies. Ein kleines zufriedenes Lächeln macht sich in ihrem Gesicht breit und das Sommersprossen-Gesicht produziert eine große Gedankenblase, in der geschrieben steht:

Wer muss schon einen Mops streicheln, wenn man so einen tollen Schäferhund zur Freundin hat!

Dann streichelt Kunie ihrer lieben Freundin über die Hand und sagt: “Du bist echt die Bombe, I luv u!”

Schalten Sie auch Morgen wieder ein, wenn es heißt: ABER ICH WILL EINEN MOPS HABEN! Denn auch widrige Umstände halten einen Verwirrten nicht von seinen Träumen ab….

Inside

Heute sitzen wir in einer Küche. Sie ist groß und düster und es stehen keine Lilien herum.
Was sagt uns das? Ja, wir sind nicht bei Kunie zu Hause. Wir sind in einem Bürogebäude.

Da sitzen wir an einem grauen Tisch auf grauen Stühlen zwischen drei Personen und lauschen der Unterhaltung. Wir nehmen nur bruchteilhaft wahr, worüber geredet wird. “Ach ja, das kenn ich auch…”, “Also ich mach das immer so, dass ich…”, “Geil, find ich auch, aber…”.
Zwischendurch schließen sich unsere Augenlider. Immer eine Sekunde zu lang. Wir scheinen gelangweilt.
Wir denken ein wenig hier und ein wenig da. Wir nehmen die Gedanken in unserem Kopf so bruchstückhaft wahr, wie die Unterhaltung um uns herum.
Da fällt uns hier was ein und da was ein. Da denkt man hier ein bisschen und da ein bisschen. Nichts wird richtig zu Ende gedacht, geredet oder gehört. Sieht ungefähr so aus:

- wie lang muss ich noch?
- Shit, der Spül steht noch rum
- “Ja, ich weiß auch nicht”
- ich brauch Kaffee, ah ne, dann werd ich wieder nervös
- ich steh gleich mal…
- “Was hat der gesagt? Echt?”
- mannomann, redet die immer leise, sind meine Ohren…?
- spül ich heut?
- Am Montag muss ich auch Kuchen backen..
- ich hab auch schon lang nich mehr auf der Waage gestanden
- im Bad isses auch dreckig
- Lilien brauch ich mal wieder, die alten …
- “Leute, ich mach mal weiter”
- boah meine Schuhe sehen echt gut aus, gut gut guuut
- Ixi Gaxi Golmeeee
- Mein Hirn oh jeee

Dann schütteln wir unseren Kopf sehr stark. Das Bild verwischt im Hin und Herschwingen. Uns ist kurz übel, wir atmen ein und tsssuuup, wir sitzen wieder vor unseren Bildschirmen und sehen Kunie durch einen Gang gehen und den Kopf schütteln. Augen wischen und weitergeschaut.

Outside

Sie läuft weiter und öffnet eine Tür mit “WC” Aufschrift. Sie schließt die Tür. Ein lautes Klacken des Schlosses ist zu hören. Ah ok, Top Secret! Aus dem Bild streckt sich ein Arm vor. In der Hand sehen wir ein Mikrofon mit Puschelüberzug. Das Mikrofon wird an die Tür gehalten. Wir hören dumpf Kunies Stimme (Anmerkung: Selbstgespräche sind bei Verwirrten oft und alltäglich benutzte Rettungsanker im Hirnaufräumprozess, und für uns als Zuschauer sehr aufschlußreich!):

AAhhhhrgh, ooohh. Pff. Mann mann mann, mein Hirn explodiert. Sooo, janz ruhig Frau Enoki, heut Abend wird gespült, danach mal durchgewischt im Bad, dann werden die alten Lilien entsorgt, morgen neue gekauft, was Montag ist, ist Montag, jetzt ist es mal gut. Ne? Ja. So und nu mal weiterarbeiten. Mein Gott, mein Hirn ist wie eine Partyzantkatruppe. Immer nur auf einzelnen Baustellen zugange und nie mal ordentlich im Großtrupp. Da verliert sich bald der Überblick hier. Naja, vielleicht komm ich ja doch mal zum Gedankensieg..Hihi. Häh? Oh neeee, jetzt red ich schon aufm Klo mit mir selber…

Wir hören eine Spülung und ein Waschbecken plätschern. Die Tür öffnet sich wieder und Kunie schaut in die Kamera. Sie grinst über beie Ohren, schnappt sich unser Mikro und flüstert hinein:

“ICH BIN GEDANKENPARTYZANTKA! Hahaha hihihihi hehehe…”

(Wir hören zum ersten Mal das Lachen der Kunie und sind zunächst verstört, denn es klingt nicht nur laut, sondern auch ziemlich witzig)

Fortsetzung folgt…

PS: partyzantka = Chaos, wörtlich Partisanenzustände

Tag Vier – Oah Ey

Oktober 22, 2008

“Ixi Gaxi Golme”….So oder so ähnlich hört sich das Gebrabbel an, was wir gerade hören!… “Ixi Gaxi Golme“…. Schon wieder! Schwarzer Bildschirm. Und wieder Gebrabbel. Dann plötzliche Stille….

Das Bild wird heller und nun sehen wir endlich was. Ein zerstörter Gesichtsausdruck der Kunie E. mitten im Bild. Eine in Falten gelegte Stirn. Und noch etwas neues sehen wir in diesem Gesicht. Eine Brille. Schnitt. Wir sehen ihre Hände wild herumfuchteln und eine leere Flasche “Kombilösungsmittel” für Kontaktlinsen schütteln und gegen die Wand werfen. Wir sehen ein böses und bebrilltes Gesicht.

Merke

Der Verwirrte Mensch, das lernten wir ja schon, ist äußerst vergesslich. Er vergißt nicht nur, wenn er in einen anderen Raum geht, wozu er dorthin geht, er vergisst auch, dass er mit Kollegen geredet hat und meldet sie nach dem Gespräch krank, weil sie ja angeblich an dem Tag noch nicht gesichtet wurden. Er vergißt Linsenzeug zu kaufen. Er vergisst Geburtstage, Jahrestage und auch gerne Termine. Der Verwirrte Mensch ist nervig. Und glaubt mir, das hier ist nicht übertrieben!

Szenenwechsel

Wir befinden uns in einem großen, schwarzen Auto mit Scheibenwischer an. Kunie fährt mit Brille und bösen Falten im Gesicht durch Berlin. Wir sehen den Telespargelturm, das Brandenburger Tor und das Sonycenter. Der Scheibenwischer ist an, na klar, es regnet ja auch. (Muss hier gesagt werden, denn die Verwirrten fahren auch bei Sonne mit Scheibenwischer an) Wir sehen eine Treppe und hören lautes Geklacker und Gestapfe und dann taucht ein Rücken aus dem Bild auf und geht an uns vorbei. Grüne Stiefel und Jeans und Wurstelhaare, klar, Kunie wieder. Sie setzt sich in einen Riesenraum an zwei Bildschirme und tippt. Sie redet nicht, sie brabbelt nur. “Ixi Gaxi, Scheiße”, “uki uki Gemusesuppi”. Schwarzer Bildschirm.

Wir blenden an dieser Stelle für heute aus, denn es ist abzusehen, dass der Tag nicht mehr sonderlich spannend wird. Wir schauen Morgen wieder rein. Schlechte Laune ist bekanntlich ansteckend und das will ich nicht riskieren.

Und es ist soweit. Schalten sie auch heute wieder ein, wenn Kunie auf Jay Brannan trifft!

Werbeunterbrechung (Wir sehen Colamänner, Fruchtzwerge und nackte Frauen mit roten Haaren)

Kurze Einblendung von Kunie in Jeans und Ketten vor der Volksbühne in Berlin. Laute Musik dröhnt uns in den Ohren, es klingt nach einem Begrüßungsjingle a la “Explosiv, das Magazin”. Eine Leuchtschrift wird eingeblendet “Spektaulär, Speck-Tacko-leer!”.

Wir sehen wieder Kunie vor der Volksbühne. Es ist dunkel und ein wenig windig. Man hör Autos rauschen. Dann hält ein silberner Wagen mit zwei Personen. Die Beifahrertür öffnet sich und ein weiterer Wuschelkopf steigt lachend aus.

Szenenwechsel

Wir sehen einen dunklen Raum. Etwa 150 Leute quetschen sich vor einer rot und gelb beleuchteten Bühne nach vorne. Eine komische blonde Frau mit Mütze kreischt herum “Oh, I´m so excited, i love Jay Brannan, I know he is gay, but I love him anyway” und schubst unsere Hauptdarstellerin kurz aus dem Bild. Diese wiederum schaut nur verstört und natürlich verwirrt dem blonden Kopf hinterher.

Kunies Erklärung 1:

Die Mütze hat ihr Hirn aufgeweicht und deshalb ist sie so anstrengend und auffällig

Kunies Erklärung 2:

Sie hat gekokst

Kunies Erklärung 3:

Sie ist als Kind nicht beachtet worden. Ihre Eltern haben ihr stattdessen nur Geld in den Hintern geschoben. Darum reist sie jetzt auf jedes dieser Konzerte und geht einem wunderbaren Künstler, Tag um Tag auf den Geist. Wie tragisch!

Aus verwirrungstechnischen Gründen, ist plötzlich ein großes Loch in Kunies Kopf und sie vergißt just in diesem Moment, welche Erklärungen sie nochmal angeführt hat und entscheidet sich spontan für eine Erklärung 101, die uns aber ewig verborgen bleiben wird.

Endlich

der große Moment, wir sehen Kunie ganz vorn an der Bühne. Zu ihrer Linken der andere Wuschelkopf mit dickem Grinsen im Gesicht. Da kommt er endlich. Der eigentliche Star. Der Mann mit der goldenen Stimme, mit dem Engelsgesicht, der lustige Typ mit den melancholischen Liedern. Der Verwirrungsmeister im Musikbusiness, denn niemand sonst singt vom Tod und lächelt dabei so unschuldig. Dann, …

(kurze Werbeunterbrechung, wir sehen Colamänner, nackte Frauen und Gemüsebrühe mit laufenden Erbsenschoten)

Jay Brannan sitzt auf einem Barhocker auf der Bühne. Wir stehen davor. Vor uns steht ein Kopf wackelndes Mädel mittleren Alters mit Sommersprossen und lauscht gespannt. Dann, beginnt er. Er singt. Er singt und singt. Wir sind verzaubert. Wir sind gerührt, wir sind verwirrt, wir sind schön, die Welt ist tragisch, wir haben Pipi in den Augen, wir weinen vor unseren Bildschirmen. Wir nehmen ein Taschentuch. Das Bild verschwindet hinter einem weißen Tempo.

Da die Kamera einen Wasserschaden hat, muss an dieser Stelle abgebrochen werden. Nachgeschoben sei nur, dass Kunie ein Autogramm nach Hause trug, mit der Aufschrift:

Kunie, I wanna be your housewife, Jay Brannan

Applaus

Sonntag

Wir sehen ein ländliches Idyll. (Schööön. Hach zum Durchatmen.) Große Felder, Wälder, Landstraßen, Wiesen und Pferde. Wir schalten auf eine dieser großen Wiesen, am Hang eines Hügels. Wir erblicken viele Menschen mit Drachen und drachenähnlichen Flugobjekten in der Luft. Kinder an Seilen. Sieht aus, als wären lauter Marionetten unterwegs, gelenkt von Lenkdrachen. Fliegende Biene Majas, große Fallschirme, runde Klobofliegedinger, ein elektrisches Miniflugzeug, gesteuert von zwei jungen Männern in Tarnmontur. Dazwischen drei Menschen ohne Flugobjekt, einer davon die Kunie, na klar. Sie spazieren am schönen Sonntagnachmittag ganz pofig durch das ländliche Idyll namens Lübars. Direkt oberhalb von Bushidos Heimat (das Märkische Viertel). Oder war das der andere Gangster Rapper?

(Merke: Der verwirrte Mensch merkt sich entweder das Gesicht oder den Namen. Niemals beides gleichzeitig!)

Erkennbar an den Hochhäusern, die in der Ferne aus dem ländlichen Paradies wie Geschwüre hochwachsen. Kunie fragt sich, ob sie in der Umgebung auch ein Gangster Rapper geworden wäre und ob zwingenderweise verachtende Frauenbilder im Märkischen Geburtspaket enthalten wären? Gibt es Frauengangster? Ach ja, da war so eine komische Frau mit schlechten Fickifackitexten, die keine Maus im Keller schockieren. Sofort umgeschaltet, das Thema paßt nicht zum Sonntag, wir schauen einfach in Richtung Hügel und tun so, als wären die Plattenbauten gar nicht da.

Rückblende

Kunie steht im Lilienbad und hat eine Idee. Eine Leuchtschrift blinkt auf. Über ihrem Kopf erscheint:

HEUTE WILL ICH TIERE ANFASSEN!

Wiese

Wir schwenken über die riesen Wiese und fahren hinter den drei Gestalten in schwarzen H&M Mäntelchen her. Wo gehen die hin? Wir lassen die Wiese hinter uns. Ein kleiner Weg tut sich auf und vor uns ist ein großes Tor mit der Aufschrift “Familienbauernhof” zu sehen. Zum Glück gibt es keinen Türsteher, denn eine Familie ist die kleine Dreiergruppe nicht.

Das Stadtgespann geht trotzdem durch das Tor. Wir sehen Kunie in die Hände klatschen und in einen großen Stall rennen. Ob Schweine wohl beißen? Sie rennt aus dem Stall zu einem Gatter mit dicken Riesenkaninchen. Dann rennt sie zur Koppel mit dreckigen Eseln. Dann zu einem verrückten Ziegending, was schaut wie ein Außerirdischer. Es ist sicher keine echte Ziege. Dann zu den Enten, Gänsen, Hühnern ohne Federn (igitt, wie im Supermarkt nur laufend), Kühen in Pelzen und Fasanen in bunt. Nachdem aber auch wirklich alles angefaßt ist, was warm und pelzig ist, oder zumindest stinkt, alles mit einem SÜÜÜÜßß tituliert wurde, überall gerochen und geglotzt wurde, macht sich ein zufriedenes Stadtmädchen-Grinsen in Kunies Gesicht breit….und

wir hören zum ersten mal ihre Stimme, die sagt:

“Jetzt aber ein Schnitzel!”